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Ein erster Rückblick auf das vergangene Düsseldorfer Modewochenende: Frontrow Revolution – Modejournalismus 2.0

Die Talk-Runde: Adriano Sack, Lena Grossmüller & Isabelle Braun, Kathrin Bierling und Alfons Kaiser

Foto © Frontrow Revolution via Facebook
Das NRW-Forum Düsseldorf fasziniert immer wieder durch Ausstellungskonzepte, die sich mit dem aktuellen Geschehen auf dem weiten Feld des Web 2.0 auseinandersetzen. Vom 04. bis zum 07. Februar 2012 fand nun der studentische Salon “Frontrow Revolution  – Medienjournalismus 2.0” statt, in welchem Modejournalismus multimedial erlebt werden konnte und der Besucher selbst die Möglichkeit erhielt Teil des Entstehungsprozesses zu werden. So zum Beispiel als lebensgroße Wandprojektion im Stil der Streetstyle-Blogs. Initiiert wurde das Ganze von Isabelle Braun und Lena Grossmüller, die ihren Abschluss auf der AMD Akademie Mode und Design im Studiengang Modejournalismus gemacht haben. Die beiden Absolventinnen haben mit der künstlerischen Leitung des NRW-Forums das interaktive Projekt realisiert, in dessen Mittelpunkt die Auswirkungen einer stetig wachsenden Blogosphäre auf die Modebranche und die Frage danach stand in wie weit damit möglicherweise Wandel und Demokratisierung einhergehen.

Zu allen Ausstellungsinstallationen wurden weiterführende QR-Codes angeboten

Die Themenausstellung wurde am Samstag mit einer Diskussions- und Talkrunde eröffnet, in der Adriano Sack (Gründer und Autor von ilikemystyle.net und Executive Editor beim Interview-Magazin), Lena Grossmüller, Isabelle Braun (die beiden Kuratorinnen des Salons), Kathrin Bierling (Journalistin, Gründerin & Autorin des Blogs Modepilot) und Alfons Kaiser (Ressortleiter „Deutschland und die Welt“ & Modekritiker der FAZ) über die stetig wachsende Modeblogosphäre und ihre Beobachtungen des mit ihr einhergehenden Demokratisierungsprozess einschätzen.
Bereits im Juli 2010 war ich, ebenfalls im NRW Forum, Gast beim ersten Blogger Salon Talk. Auf dem Podium saßen damals Yorca Schmidt-Junker, Managing Editor des Magazins QVEST und Werner Lippert, Leiter des NRW-Foums, die zusammen mit Gunnar Hämmerle, Herausgeber des Streetstyleblogs Styleclicker, die Entwicklung und den Boom von Blogs erörterten. Leider nahm zu meinem großen Bedauern im Sommer 2010 nicht wie angekündigt Alfons Kaiser teil. Er hätte sicherlich die Diskussion um “Online versus Print” ungemein bereichern können und so kreisten damals die Diskussionen ausschließlich darum, wie das Problem der zunehmenden Refinanzierung durch Anzeigen behoben hätte werden können, die die Einflussnahme von Industrie und Wirtschaft bedeuten und die stets propagierten Unabhängigkeit vieler Blogs einschränk(t)en. Als lachender Sieger gingen aus dieser Talk-Runde die Printmagazine heraus und ließen die Blogs und seine Autoren ein wenig gebeutelt und belächelt auf halber Strecke zurück.
Fashionblogger in der Frontrow? Noch vor zwei Jahren interpretierten viele Modefachkenner dies bei der ersten Show vielleicht noch als unterhaltsamen PR-Ausrutscher. Als gestandenen Modejournalisten Susie Bubble oder Brian Boy nun aber in wirklich jeder Show vor sich in der ersten Reihe positioniert zu sehen entzürnte den Einen oder Anderen dann doch, mitunter sogar 2012 noch.

Kathrin Bierling und Alfons Kaiser

Wie passend, dass Alfons Kaiser vergangenen Samstag auf die Frage von Lena Grossmüller “Blogs – Schall und Rauch oder Olympisches Feuer. Gehören Blogger in die Frontrow?” den Talk mit “Blogger gehören zu Recht in die Frontrow, sie sind wichtiger Bestandteil der Modebranche” eröffnete. Adriano Sack, der den Spagat zwischen Onlinepublikation (ILikeMyStyle) und Printmagazin (Interview Deutschland) schafft, stieg in den Talk mit folgender prägnanter Aussage ein: “Blogs werden den Print nicht verdrängen. Man wird nur vor die Herausforderung gestellt, zu entscheiden, was in den Print geht oder was sich eher für den Online-Bereich eignet.”. Die wichtigsten, und einstimmigen, Aussagen der Diskussion waren für mich weiterhin, dass Blogger inzwischen auch für Printjournalisten gute Einschätzungen liefern und – schnell arbeiten! Online zu publizieren hätte außerdem den enorm großen Vorteil, den unendlichen Platz ausnutzen zu können, der in einem Printmedium eben immer limitiert ist, so Alfons Kaiser.  Beispielsweise kann von jedem Look einer Kollektion ein Runwayfoto gepostet und kommentiert werden, was dem Schaffen eines Designers viel mehr Raum asl im Print überhaupt möglich, bieten kann. Und,  die Blogosphäre sei sozusagen Zugangshürdenfrei – einfach jeder, der die technische Austattung und Internetzugang besitzt, hat die prinzipiell die Möglichkeit über Mode zu schreiben. “Die Leser können einschätzen, ob sie ein gutes oder ein schlechtes Blog lesen”, sagte Adriano Sack, der dabei von sehr mediengeübten Rezipienten ausgeht.
Das persönliche Statement “Im Blog bin ich viel freier und kann hier auch kritisch schreiben” von Kathrin Bierling, die als Modejournalistin einschlägige Magazinerfahrung vorweisen kann und beim WirtschaftsWoche-Ableger fifetonine oder der InStyle gearbeitet hat, ist vielleicht das ausschlaggeben Moment und Alleinstellungsmerkmal in dieser Diskussion gewesen, welches verdeutlicht hat, weshalb Blogs zu Recht mitunter einen hohen journalistischen Stellenwert genießen.
Im Anschluss an den Salon-Talk hätte ich, natürlich erst im Nachhinein, noch so viele Fragen zu stellen gewusst und ich hoffe, dass sich bald die Möglichkeit einer anderen Veranstaltung gibt, um diese weiter zu diskutieren. Besonders gefreut habe ich mich über die vielen Teilnehmer des Salon-Talks, sehr sogar über Esther, Janosch, Moni und Nina. Meine Antwort auf die Eingangsfrage der beiden Kuratorinnen “BLOGS – Schall und Rauch oder Olympisches Feuer?” lautet deswegen – Ich nehme mir Alfons Kaisers Rat an die Bloggerwelt zu Herzen “Schreibt und recherchiert für längere Artikel, denn Ihr habt allen Platz der Welt.”.
Ein Video des Talks findet Ihr unter diesem Link, ein enorm lesenswertes Resumee des Abends von Jérôme auf Modepilot.de unter folgendem Link.
Fotos 2 und 3 © Modephonie
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