Berlin, Mittwochsmusik
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Der Sound der Berlin Fashion Week A/W 12/13

Mode und Musik, zwei Großmachtindustrien, beide ständig auf der Suche nach dem aktuellsten Trend. Besonders für die Mode ist Musik schon lange zu einem substantiellen Verkaufsfaktor geworden, denn eine Schau auf den großen Fashion Weeks wäre ohne den passenden Soundtrack undenkbar, denn Kleidung muss klingen.

Für mich ist es immer wieder sehr interessant zu beobachten, wie Mode und Musik zueinander oder miteinander verbunden werden. Wir alle denken da vielleicht an Vivienne Westwood und die Sex Pistols, an Hedi Slimane. Oder aber in einem besonders glücklichen Fall an die Modenschau, die wir neulich erst gesehen haben und direkt haben wir die Melodie, den Bass im Ohr, der aus den Lautsprechern tönte, als wir gebannt den Models auf dem Laufsteg zusahen und uns ganz in der gezeigten Kollektion verloren.

Die Musikauswahl einer Modenschau kann leider auch schief gehen – so wünschte sich Ungaro einmal, dass der große Soundstylist und DJ Michel Gaubert in dem Moment, in dem er den Laufsteg betritt “Rebel Yell” von Billy Idol spiele. Suzy Menkes schrieb daraufhin: “Ungaro ist kein Rebell“. Vielleicht wird unterschätzt, welche Aussagekraft Musik bei einer Modenschau hat, vielleicht ist es richtig und wichtig sich stärker an der Persönlichkeit, die hinter der Marke steht, zu orientieren. Denn – Chanel klingt natürlich ganz anders als Chloé, Jil Sander oder Dior.

(Es passiert selten, aber meinen Text zum “Sound der Berlin Fashion Week SS 2012″ aus Juli 2011 möchte ich auch nach einem halben Jahr nichts hinzufügen, so dass ich ihn hier als Einleitungsabsatz noch einmal blogge).

Auf die Berliner Modewoche der vorvergangenen Woche bezogen heißt das, mongrels in common klingt anders als Hien Le, Lala Berlin, Kaviar Gauche oder Malaikaraiss. Fünf Labels, bei denen ich die Musikauswahl für ihre Kollektionspräsentationen mehr als geglückt finde.

 

mongrels in common


Fotocredit © Press Factory

Die Herbst / Winter 2012/13 Kollektion von mongrels in common nimmt uns mit auf eine erlebnisreiche Reise nach Island. Und wie bei jedem guten Trip muss der Soundtrack für die Fahrt dazu stimmen. Für das Berliner Design-Duo, ganz klar: Stevie Wonder! Christine Pluess und Livia Ximénez-Carillo, entschieden sich für ihre Show für folgende Tracks:

  1. Earth / One More Reason
  2. Moloko / The Time is now
  3. Gusgus / David
  4. Finale: Stevie Wonder / Another Star

 

Hien Le

Foto © C.Lecca

Seine Herbst / Winter 2012/13 Kollektion, geprägt durch minimalistische Silhouetten und softe Sorbetfarben, präsentierte Hien Le mit jeweils vier weiblichen und vier männlichen Models auf acht Podesten stehend im Studio des Mercedes Benz Fashion Week Zeltes. Die Musik, die der Designer selbst wählte ist ein bunter “Popmix” .

  1. Kanye West / Runaway
  2. Blood Orange / Dinner
  3. Chemise / She can‘t love you
  4. Desire / Under your spell

 

Kaviar Gauche

Fotocredit © Prag PR

Kaviar Gauche widmeten ihre Kollektion dem Kontrast zwischen Gut und Böse – ein Spiel von schwarz und weiss auf eine teils mystische Art und Weise, mit dem Namen “Vicious Virgins” und wählten dazu passend folgende, sehr rockig angelegte, Trackliste:

  1. Rammstein / Rammlied
  2. Zola Jesus / Avalanche
  3. The Human League / Being Boiled
  4. Trent Reznor & Karen O / Immigrant Song
  5. Finale: Eurythmics / Sweet Dreams

 

Lala Berlin

Fotocredit © Prag PR

Designerin Leyla Piedayesh ließ sich bei ihrer Herbst/Winterkollektion 2012/13 nach eigenen Angaben von den popkulturell verarbeiteten Unruhen und Gesellschaftskritiken der 60er Jahre beeinflussen. Eine wichtige Assoziation sei der Film Quadrophenia – ein Teenagerdrama aus dem Jahr 1979 – gewesen, in dem Rocker gegen Mods kämpfen und eine Rebellion gegen das Establishment leben. Rebellisch geht es auch in der Musikauswahl von Lala Berlin zu, die von Mike Pagliosa sounddesigned wurde.

 

  1. Intro: Märtini Brös / Lalasphere I
  2. Terranova /  I want to go out
  3. Tensnake / Around The House
  4. Terranova / Paris is for Lovers
  5. Terranova / So Strong
  6. D.H.S. / House of God (Martin Landsky Remix)
  7. Interlude: Märtini Brös / Lalasphere II
  8. Finale: The Animals / Boom Boom
Mixed at Audioparkstudios Berlin
Soundengineering & Mastering: Mike Pagliosa

Malaikaraiss

Fotocredit © Kai Jakob

Das Newcomerlable Malaikaraiss präsentierte sich erstmalig auf dem Laufsteg am Brandenburger Tor. Double Identity – so der Name der Kollektion – ist ein gelungenes Spiel mit Kontrasten: fließende Kleider aus zarter Seide und Chiffon in pudrigem Orchidee oder Alabaster treffen auf Shorts und Jacken in schwarzem, plissierten Glattleder. Das Spiel mit den Kontrasten funktionierte ebenso wunderbar in der musikalischen Auswahl der Tracks, die die Show untermalten.

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4 Kommentare

  1. Das meist genutzte Programm ist nicht die Kamera meines Handy, nein, es ist Shazam! Tolle Idee die Musik zusammenzuschreiben!

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