Man nehme einen besonderen Augenblick (am Besten im abendlichen Sonnenglühen), einen ziemlich guten Sound und schon ist ein neuer Ohrwurm gemacht.  So geschehen bei mir vor zwei Wochen, als ich zum ersten Mal “Rather Be” von Clean Bandit feat Jess Glynne hörte.  Vom ersten Hören an war ich verzaubert von der Musik des britischen Quartetts.

London Grammar, ein Trio, das sich über Facebook zusammenfand, zusammen mit The xx auftrat und aktuell “The Next Big Thing” ist. Was für ein Glück, dass Gitarrist Dan Rothmann im Jahr 2009 die hübsche Sängerin bei Facebook entdeckte und sie fragte, ob sie zusammen musizieren wollen. Angetan vom Klang ihrer charakteristischen Stimme, ließ das Bandprojekt nicht lange auf sich warten.

“Schwedischer Pop par excellence. Wie aus dem Versandhauskatalog.” heißt es in der Zeit über Niki & The Dove. Niki & The Dove – das sind die Schweden Malin Dahlström und Gustaf Karlöf, die seit dem Jahr 2010 gemeinsame musikalische Sache machen. Das Ergebnis hört sich hier ein wenig wie Björk, dort ein wenig wie Prince an und ist doch immer mit einer gehörigen Portion Synthie-Pop gewürzt. Instinct, das Debutalbum aus dem vergangenen Jahr der Beiden, ist mir schon den gesamten Sommer hin ein lässiger Begleiter im Ohr auf meinen Joggingrunden gewesen. Dabei nie zu laut, zu langweilig, zu überdreht, sondern genau richtig und extrem nah an meinem musikalisch sportlichen Puls. Als Mittwochsmusik gibt es hier nun meinen Lieblingstrack des Albums: “Mother Protect”.

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Wenn es doch die Zufälle nicht gäbe. Ein Zufall hat mich nämlich auch vor einiger Zeit zu Joshua Radin und seiner bezaubernden Musik geführt. Unterwegs in einem ICE irgendwo zwischen Berlin und Essen suchte ich über meinen Spotify-Account den Klassiker “Underwater Love” und landete, aus Versehen, zwar bei Underwater, nicht aber bei Smoke City, sondern bei Joshua Radin. Verklickt, verhört und sofort verliebt in die Songs des Amerikaner, der die große Kunst beherrscht, das Intime und Heimliche des Lebens in Lieder zu packen. Wenn ich die Musik des Singer-Songwriters höre habe ich das Gefühl, als erzähle Radin sich selbst seine verborgensten Wünsche, so sanft, brüchig und zugleich von satter Tiefe klingt sie. Weshalb ich ihn und seine Musik erst jetzt entdeckte kann ich mir nicht erklären, aber die Hauptsache ist, ich kenne sie jetzt. Foto: Joshua Radin  

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Eine Jungfrau wird geopfert, um den Gott des Frühlings zu besänftigen.  “Das Theater schien von einem Erdbeben heimgesucht zu werden. Es schien zu erzittern. Leute schrien Beleidigungen, buhten und pfiffen, übertönten die Musik. Es setzte Schläge und sogar Boxhiebe”, schrieb eine Journalistin nach der Uraufführung von “Le Sacre du Printemps“, die genau heute vor 100 Jahren, am 29. Mai 1913  im Théâtre des Champs-Élysées in Paris stattfand. Was für ein Tumult, es kam zu einigen Schlägereien, am Ende werden 27 Verletzte gezählt. Der Komponist Igor Strawinsky selbst flüchtet erst vom Zuschauerraum in den Orchestergraben und später durch ein Fenster hinter der Bühne. Giacomo Puccini schreibt: “Gewiss ist in dem Stück einige Originalität und ein beträchtlicher Anteil an Talent. Aber zusammengenommen erinnert es an das Werk eines Wahnsinnigen.”  Claude Debussy prägte die Formulierung vom “Massacre du Printemps”. 1913 brach “Sacre Du Printemps” mit seiner Uraufführung mit fast gewalttätiger Sprengkraft völlig unerwartet

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Die Musiker der schwedischen Band Junip, bestehend aus dem Singer-Songwriter José González, Drummer Elias Araya und Keyboarder Tobias Winterkornhatten sich eigentlich schon 1998 in Göteburg zusammengeschlossen, doch bis zum ersten Album sollte es zwölf Jahre andauern, denn González’ Solokarriere funkte dazwischen. Die Skandinavier setzen auf Folkpop und elektronische Elemente und veröffentlichten unlängst ihr zweites Album “Junip”. Es ist nicht einfach, eine Genreschublade für Junip aufzuziehen. Die Musiker nutzen die Möglichkeiten der Elektronik, aber sie sind auch große Fans einer Soulsängerin wie Nina Simone. Sie integrieren Disco-Beats in ihre Sounds und nennen die britische New-Wave-Band New Order als wichtigen Einfluss. Psychedelia und Krautrock gehören ebenfalls zu den Ingredienzen. Und das musikalische Gesamtpaket: es ist verzaubernd und hat mich seit ein paar Wochen in seinen Bann gezogen. “Junip” ist mein Album des Frühjahrs, des Sommers, ach was, des Jahres.